Vluyner Klompenball

 

 

im Brauchtum verwurzelt

aus Tradition gewachsen

 

Eine alte, am Niederrhein selten gewordene Tradition hat in Vluyn noch festen Bestand:

 

Der Klompenball

 

Das genaue Entstehungsdatum dieses Volksfestes ist unbekannt; es liegt aber mit Sicherheit noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert.

 

Bekannt ist, dass die Bauern aus dem Vluyner Umland am Kirmesmontag beim Mittag-Glockenläuten ihre Arbeit Arbeit sein ließen und in ihrer Arbeitskleidung

"blauer Beus (dunkler fester Leinenkittel), schwarze Hose und strohgefüllte Klompen" -zum Festzelt kamen, um mit einem Tänzchen die Kirmes zu begraben. Es hieß dann unter den übrigen (bürgerlichen) Kirmesbesuchern etwas von oben herab: Do kumme de Buure und maken ühren Klompenball.

 

Durch mündliche Belieferung wissen wir, dass im Jahre 1925 eine kleine Gruppe Vluyner Kirmesbesucher aus ihrer Mitte ihren ersten Kirmeskönig und Kirmeskönigin wählten - einfach aus Spaß an der Freud.

Es waren Heinrich Vutz und Grete Schweitzer.

 

 

Im darauf folgenden Jahr wurden die beiden von zu Hause abgeholt. Das Kirmes-Königspaar spendierte eine Stärkung in Form eines Umtrunks mit belegten Broten, bevor man sich gemeinsam in einem kleinen Umzug durchs Dorf zum Zelt aufmachte. In Ermangelung eine Fahne, die vorausflattern sollte, wurde kurzerhand ein Schrubber mit übergehängtem Aufnehmer hierzu umfunktioniert.

Dieses Kirmesvergnügen geriet aus den uns allen bekannten Gründen der Geschichte über viele Jahre in Vergessenheit.

 

1950 waren es einige Neufelder Bürger (Neufeld gehörte damals amtlich zu Vluyn, heute nur noch gefühlsmäßig), die sich zusammen mit Alfred Oswald, dem langjährigen Vorsitzenden der Klompenfreunde, dieser Tradition erinnerten und am Montagmorgen auf Klompen zur Vluyner Kirmes erschienen und wieder einen Klompenball ins Leben riefen.

 

1952 kürte Alfred Oswald den ersten Klompenkönig, Heinrich Ramacher mit seiner Frau Erna als Königin (schmückendes Beiwerk - so sagte man damals). Eng mit der bäuerlichen Tradition verbunden, hängte man ihm als Zeichen seiner Königswürde eine Kuhkette um; die Königin erhielt ein Bastkränzchen. Besiegelt wurde das Ganze durch einen Schluck aus dem Klompen. Diese drei Insignien sind traditionsgemäß bis heute erhalten geblieben. Die Namen aller Klompenkönige sind auf den an der Kuhkette befestigten Plaketten eingraviert. Dadurch hängt dem jeweiligen König mittlerweile ein Gewicht von rd. 3 kg am Nacken.

 

Waren es 1952 nur etwa 25 klompenbesessene Fans, über die Heinrich und Erna Ramcher für ein Jahr die Regentschaft übernehmen durften, so sind es heute ca. 250-300 Freunde op Klompen aller Altersgruppen und aus allen Teilen der Bevölkerung, die das Kernstück dieses Volksfestes bilden.

 

Da die ständig wachsende Zahl der Klompenfreunde die Verantwortung eines einzelnen überforderte, gründete Alfred Oswald das sog. Klompenkomitee, dass in einzelnen Sitzungen während des ganzen Jahres darüber berät, was geplant, organisiert und entschieden werden muss, um eine Gemeinschaft dieser Größe zu überschauen und zu führen.

1991, nach 41 Jahren, gab Alfred Oswald das Amt des 1. Vorsitzenden ab. Das Klompenkomitee ernannte ihn daraufhin spontan und einstimmig zum Ehrenvorsitzenden. Das Amt des 1. Vorsitzenden wurde einstimmig an Karl-Heinz Möhlendick übergeben.

 

Für seinen unermüdlichen Einsatz, das bäuerliche Brauchtum des Klompenballs wieder zu beleben, zu erhalten und zu pflegen und diese Tradition über viele Jahre weiterzuführen, erhielt Alfred Oswald in den 90er Jahren den Ehrenring der Stadt Neukirchen-Vluyn.

 

Dass der Klompenball in Vluyn zu einem wahren Volksfest wurde, ist nicht allein auf die wachsende Zahl der Aktiven zurückzuführen, sondern auch auf die Art und Weise, wie die Aktiven die Vluyner Bürger für dieses zu begeistern wissen.

 

Der Klompenball ist kein Privileg alteingesessener Vluyner, sondern wird auch von vielen neu zugezogenen Bürgern gern angenommen. Im Laufe der Jahre sind die Vluyner Klompenfreunde zu einem Träger des kulturellen Lebens in Neukirchen-Vluyn geworden und sind mit dem Klompenball weit über unsere Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt.

 

Nicht zuletzt aus diesem Grunde beschloss ein Gremium namhafter Bürger und Honoratioren unserer Stadt im Jahre 2007, der Pflege von Brauchtum und Tradition des Klompentragens und damit dem Klompenball ein Denkmal zu setzen. Dies steht im Herzen von Alt-Vluyn, auf dem Schulplatz, und wurde am 1. Juni 2007 eingeweiht.

Wir Klompenfreunde sind stolz darauf und freuen uns über diese Anerkennung.

 

   

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